So kommt der neue BMW 5er

Er mag nicht bahnbrechend anders aussehen als sein Vorgänger, aber lassen Sie sich bitte nicht täuschen: Wo neuer BMW 5er draufsteht, ist auch neuer BMW 5er drin. Von Grund auf neu, um genau zu sein. Schließlich muss sich die neue, siebte Generation des meistverkauften Businessautos gegen die ziemlich großartige Mercedes E-Klasse behaupten. Und dafür hat man sich in München ganz schön gestreckt. In Sachen Vernetzung, beim autonomen Fahren, beim Leichtbau und noch mehr als sonst auch bei der Fahrdynamik.

Mehr Platz
Strecken ist aber auch bei den Dimensionen angesagt. Der BMW 5er des Jahrgangs 2017 zieht sich selbst um 3,6 Zentimeter auf nunmehr 4,93 Meter Länge. Breite, Höhe und Radstand wachsen um wenige Millimeter. Von der neuen alten Optik kann man innovationstechnisch halten, was man will. Aber auch dieser 5er ist BMW und Sportlimousine in Reinkultur. Vor allem mit dem ab Start verfügbaren M-Sportpaket. Obendrein flutscht er durch den Wind wie ein geölter Aal, denn der cW-Wert beträgt im Optimalfall 0,22 – ein neuer Bestwert für Limousinen. Unter anderem dafür verantwortlich: Eine neue aktive Luftklappensteuerung für den Kühler und eine optimierte Verkleidung des Unterbodens. Im Innern seines Business-Hengstes verspricht BMW eine deutliche Steigerung der Materialqualität. Zudem sollen alle nur erdenklichen Gliedmaßen auf allen Plätzen von entspannteren Raumverhältnissen profitieren. Wer den Fond des alten 5ers kennt, wird dies sehr begrüßen. Auch das Kofferraumvolumen steigt auf nunmehr 530 Liter. Der 5er ist innen aber nicht nur größer, sondern dank neuer Schallabsorber im Dachhimmel auch leiser als bisher. Wer es besonders kuschelig mag: Erstmals wird es auch Massagesitze mit acht Massageprogrammen geben.

Gestensteuerung jetzt auch im 5er
Kommen wir zu dem Bereich, der in Autos wie dem BMW 5er mittlerweile fast wichtiger ist als das Fahren selbst – dem Infotainment und der Connectivity. Vorlieb nehmen dürfen wir künftig mit einem – für diese Klasse fast schon zwergenhaften – 10,25 Zoll-Bildschirm auf dem Armaturenbrett. Die Flut an Navi-, Telefon- und Media-Funktionen bedient man entweder klassisch über den iDrive-Controller oder via Sprache, Berührung und Gestensteuerung. Letztere soll bereits deutlich mehr Bewegungen draufhaben als im aktuellen 7er, die Sprachsteuerung versteht laut BMW nun auch ,Alltagssprache" und benötigt keine vordefinierten Sprachkommandos mehr. Ein digitales, frei konfigurierbares Instrumenten-Display wie in der E-Klasse oder neueren Audis sucht man im neuen 5er übrigens – warum auch immer – vergebens. Hier ist noch klassische Rundinstrumente-Zone. Immerhin spielt er diverse Infos zu Navi, Telefonlisten, Musik oder Fahrerassistenz über das deutlich vergrößerte Head-up-Display ein.

Vier Motoren zum Start
Und bei allem Hightech-Wahnsinn, den man mittlerweile ab Mittelklasse aufwärts so bekommt, ist BMW mit dem neuen 5er vor allem auch eins ganz wichtig – die Rückkehr zu den fahrdynamischen Wurzeln. Dazu gehören in München immer die Motoren. In diesem Fall sorgen selbige für die besten Fahrleistungen und Verbrauchswerte im Segment. Zwei Diesel und zwei Benziner sind zum Marktstart im Februar 2017 verfügbar. Alle sind optional mit Allradantrieb zu haben. Eine Achtgang-Automatik ist, abgesehen vom 520d mit Sechsgang-Handschalter, Serie. Der vierzylindrige 530i leistet 252 PS und 350 Newtonmeter, der neue 540i-Reihensechser kommt auf 340 PS und 450 Newtonmeter. Der designierte Bestseller ist wie gewohnt der 520d mit 190 PS, 400 Newtonmeter und 4,0 Liter Normverbrauch. Dazu kommt der 530d-Sechszylinder mit nunmehr 265 PS, bärigen 620 Newtonmeter und einem Verbrauch von 4,5 Liter. Wer es noch asketischer will: Im März 2017 folgen ein 520d-Efficient-Dynamics-Spardiesel mit 3,9 Liter Normverbrauch sowie der Plug-in-Hybrid 530e iPerformance mit 252 PS Systemleistung. Er soll mit 2,0 Liter im Schnitt auskommen und 45 Kilometer rein elektrisch fahren. Vorläufiges Topmodell ist der neue M550i xDrive mit V8, 462 PS und einer 0-100-km/h-Zeit von beängstigenden 4,0 Sekunden. Da fragt man sich durchaus, was wohl der über 600 PS starke neue M5 (kommt wohl Ende 2017) mit den eigenen Organen anstellen wird.

Dynamik-Boss
Der 2017er-5er will die Business-Konkurrenz aber nicht nur geradeaus düpieren. Vor allem in Sachen Kurvenspaß soll er E-Klasse, A6 und Co. zeigen, wo der Hammer hängt. Die neue Karosserie aus hochfesten Stählen und viel Aluminium (auf Carbon-Teile wie im 7er wurde – vermutlich aus Kostengründen – verzichtet) sowie das neue Alu-Fahrwerk machen den 5er gut 100 Kilo leichter. Mit Vierzylinder schlägt er nun leer bei bemerkenswerten 1.540 Kilo auf. Vorne gibt es Doppelquerlenker, hinten eine Fünflenkerachse. Neu sind – gegen Aufpreis – eine Hinterradlenkung sowie eine elektromechanische Wankstabilisierung, welche die Stabis über elektrische Schwenkmotoren ansteuert. Außerdem kann man das M-Sportfahrwerk nun auch mit Allradantrieb haben. Die Ausprägung der 5er-Sportlichkeit wird wie immer über den Fahrerlebnisschalter gehandhabt. Zu den Modi ,Comfort", ,Sport" und ,Eco Pro" gesellt sich künftig die Einstellung ,Adaptive". Sie passt Lenkung, Dämpfer und Getriebe automatisch und vorausschauend anhand von Fahrstil und Streckenverlauf an.

Im Prinzip autonom
Damit wären wir bei den Assistenzsystemen, die der neue 5er in aller Fülle vom großen Bruder 7er übernimmt. Die komplette Selber-Fahren-selber-Parken-Magie gibt es also künftig auch hier. Eine Stereokamera ist Serie, gegen Aufpreis lenkt, bremst und beschleunigt das Auto zwischen null und 210 km/h nahezu selbstständig. Das verantwortliche Active-Cruise-Control-System (ACC) soll im Sinne der Geschmeidigkeit nun auch gelbe Baustellen-Linien, Autobahnausfahrten, Kreisverkehre sowie die Handlungen des übernächsten Fahrzeugs in der Kolonne berücksichtigen. Weitere Schmankerl auf dem Weg zur völligen Autonomie sind die Übernahme des Tempolimits (Freigeister können eine Anpassung zwischen -15 und +15 km/h voreinstellen), der automatische Spurwechsel, die Seitenkollisionswarnung, die notfalls auch lenkend eingreift, sowie der Ausweichassistent, der bei plötzlich auftauchenden Hindernissen bis 160 km/h mit- und mitgegenlenkt. Außerdem beherrscht der 5er nun auch die Car-to-Car-Kommunikation. Er ist also in der Lage, andere vernetzte BMWs vor erkannten Gefahren wie Unfällen oder Glatteis zu warnen und empfängt diese Warnungen auch. Sehr schlau, das Ganze.

Parken wie noch nie
Apropos schlau: Natürlich parkt der 5er auch von selbst. Also ohne dass Sie noch drinsitzen, versteht sich. Einfach vor die extrem enge Parklücke fahren, grazil aussteigen und den Rest mit dem als Fernbedienung fungierenden Autoschlüssel erledigen. Sie kennen die 3D-Ansicht ihres Fahrzeugs im Navibildschirm? Die gibt es beim 5er künftig auch aufs eigene Smartphone. Zur Kontrolle des geparkten Autos quasi. Da brechen schwere Zeiten für autoaffine Schurken an. Ganz generell scheint BMW einen ziemlichen Narren am Thema Parken gefressen zu haben. Der 5er findet bezahlpflichtige Parkplätze (in Parkhäusern oder Innenstädten), bucht sie und ermöglicht auch gleich das bargeldlose Bezahlen. Ganz neu ist die sogenannte ,On-Street Parking Information (OSPI), die – vorsicht, jetzt wird's wild – über historisierte und aktuelle Daten ein lokales Prognosemodell errechnet und Ihnen dann im Navi anzeigt, wo sich in Ihrer Nähe vermutlich ein freier Parkplatz befindet.

Virtuelle Chefsekretärin
Natürlich ist der neue BMW 5er auch vernetzt wie ein Wirtschaftsboss. Er lädt ihr Smartphone induktiv, kriegt einen WLAN-Hotspot mit LTE für bis zu zehn Endgeräte und kann Apple CarPlay komplett kabellos. Dazu gibt es BMW Connected, eine Art virtuelle Chefsekretärin, die den 5er über die Cloud (Daten von Ihrem Smartphone oder Ihrer Smartwatch) in Ihr digitales Leben integriert, beispielsweise, indem sie Telefonnummern, Adressen oder Termine aus Ihrem Kalender übernimmt und Sie gegebenenfalls gleich hinnavigiert. Erstmals gibt es auch eine Mail-Anbindung mit Microsoft Exchange. Dazu kommen ein Concierge-Service, ein lernendes Navi und Echtzeit-Stauumfahrungen.

Ab 45.200 Euro
Klingt, als würde man von Hightech-Funktionen förmlich erschlagen, aber so ist das eben, wenn man heute perfekt gerüstet in den Wettbewerb starten möchte. Umso beruhigender wirkt die Info, dass der neue 5er mehr denn je auf fahrdynamischer Ebene punkten soll. Ob und wie ihm das gelingt, können wir Ihnen nach dem ersten Test Anfang Dezember verraten, bevor er im Februar 2017 in den Verkauf geht. Die Preise starten bei 45.200 Euro für den heckgetriebenen 520d mit Handschalter. Das sind 2.000 Euro mehr als bisher. Der Einstiegsbenziner 530i kostet mindestens 49.800 Euro. Für das Topmodell M550i xDrive werden 82.700 Euro fällig.

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