Alles zur 84. Auflage des Klassikers

Es ist wieder soweit: Am 18. und 19. Juni 2016 steigt die mittlerweile 84. Auflage des 24-Stunden-Rennens von Le Mans. Nach drei Qualifyings am Mittwoch und Donnerstag begibt sich das 59 Fahrzeuge starke Feld am Samstag auf die Reise zweimal rund um die Uhr. Wir haben alles Wissenswerte zum längsten Sportwagen-Tag des Jahres zusammengefasst.

LMP1 mit drei Werksteams
Die Hauptaufmerksamkeit der Fernsehkameras dürfte wie immer auf der schnellsten Klasse der LMP1-Fahrzeuge liegen. Dort treten neben den drei Hersteller-Teams von Audi, Porsche und Toyota auch die beiden Privatiers ByKolles Racing und Rebellion Racing an. Gingen 2015 noch jeweils drei Audi und drei Porsche an den Start, fährt der VW-Konzern seine Motorsport-Aktivitäten nach dem Diesel-Skandal nun für 2016 etwas zurück. So kommt es auch, dass das Titelverteidiger-Fahrzeug von Rekordsieger Porsche mit Nico Hülkenberg nicht an den Start geht. Dafür sitzt auf dem Auto mit der Startnummer Eins unter anderem der aktuelle Sportwagen-Weltmeister und Ex-Formel-1-Star Mark Webber.

Außenseiterchancen
Zwar werden die Autos von Audi und Porsche beim reinen Speed und der Konstanz am höchsten gehandelt, aber auch Toyota darf sich Hoffnungen auf den Sieg machen. Mit einer größeren Zuverlässigkeit und einigen Schnitzern der Konkurrenz könnte der Truppe aus Japan ein Erfolg gelingen. Für Toyota treten unter anderem die ehemaligen Formel-1-Fahrer Sébastien Buemi, Kazuki Nakajima und Kamui Kobayashi an. Wer seinen Wetteinsatz gerne mit einer Prise Risiko versehen möchte, der sollte auf einen Podestplatz eines Privat-Teams setzen. Vom Tempo nicht auf Augenhöhe mit den Herstellern, könnte die Rebellion-Mannschaft mit Nick Heidfeld aber durch Renn-Intelligenz und ein haltbares Auto nach vorne fahren. Auch das Wetter könnte den Rennverlauf ordentlich durcheinander bringen, denn: ,It`s always raining in Le Mans". Das mit dem größten Medienaufwand vorangetriebene Projekt der letzten Jahre fehlt übrigens: Der frontgetriebene Nissan-LMP1 wurde heimlich, still und leise eingestampft weil das Konzept einfach nicht funktionierte.

Volles Haus in der LMP2
In der zweiten Liga der Prototypen – der LMP2-Klasse – gehen 2016 nicht weniger als 23 Autos an den Start. Eine Prognose ist hier äußerst schwierig, aber zwei Sieg-Kandidaten haben sich bisher schon herauskristallisiert: Der Neuling RGR-Sport mit der starken Fahrerpaarung um Bruno Senna und Ex-DTM-Fahrer Filipe Albuquerque trifft auf die erfahrene Truppe von Signatech Alpine Racing. In der LMP2-Klasse gehen außerdem eine Menge anderer bekannter Fahrer an den Start. Neben Audi-Werkspilot René Rast, der 2016 kein Cockpit in der LMP1 ergattern konnte, treten unter anderem auch Ex-F1-Star Witali Petrow und der ehemalige französische Nationaltorhüter Fabien Barthez an der Sarthe an.

Kampf der Giganten in der GTE-Pro
Wechseln wir von den Prototypen zu den GT-Autos. Hier wird ebenfalls in zwei Klassen unterteilt: GTE-Pro und GTE-Am. Erstere ist für die Werksmannschaften reserviert und dürfte 2016 für harte Kämpfe ohne Rücksicht auf Verluste, viel Spannung und noch mehr Drama sorgen. Das Starterfeld ist so groß wie noch nie: 14 Werks-Autos gehen in der GTE-Pro an den Start. Neben dem letztjährigen Sieger Corvette mit Oliver Gavin, Tommy Milner und Jordan Taylor schicken außerdem Porsche, Ferrari, Aston Martin und Ford ihre Autos nach Le Mans. Der Ferrari 488 ist das schnellste Fahrzeug und konnte 2016 bereits die Generalproben in Silverstone und Spa gewinnen, muss allerdings mit dem kleinsten Tank auskommen. Porsche schickt zwei Werks-Elfer ins Rennen, die in die Jahre gekommenen Fahrzeuge dürften sich aber eher Außenseiterhoffnungen auf Grund ihrer immer guten Haltbarkeit machen. Das größte Fragezeichen steht hinter den neuen Ford GT. Gleich vier der frischen Renner gehen an den Start. Mit Stefan Mücke, Andy Priaulx, Sébastien Bourdais und vielen mehr ist man fahrerseitig mehr als gut aufgestellt. Ob die Autos allerdings durchhalten, ist eine andere Frage.

Herrenfahrer in der GTE-Am
Last but not least: die GTE-Am-Klasse. Dort teilen sich mehrere Amateure das Auto mit maximal einem Piloten mit Gold- oder Platin-Status. Fünf Ferrari werden sich hier ein Duell mit vier Porsche sowie zwei Corvette und zwei Aston Martin liefern. In der Vergangenheit gab es immer wieder Kontroversen darüber, ob die Amateure den enormen Geschwindigkeitsunterschieden zu den LMP-Autos gewachsen sind, da es häufig zu harten Kollisionen zwischen schnellen und langsamen Autos kam.

Fernsehen, vor Ort oder Public Viewing?
Wer sich als Daheimgebliebener das muntere Treiben auf dem 13 Kilometer langen Kurs anschauen möchte, für den gibt es mehrere Möglichkeiten. Der Fernsehsender Eurosport überträgt fast das komplette Rennen, aber auch Hersteller wie Porsche und Audi bieten auf ihren Websites Livestreams mit Onboard-Aufnahmen und Zusatzinformationen an. Wer unterwegs ist, kann sich das Rennen in der kostenpflichtigen ,WEC-App" auch auf dem Smartphone oder Tablet anschauen. Die coolste Möglichkeit: Public Viewing im Porsche Museum in Stuttgart inklusive Verpflegung, freiem Eintritt und Schlafplätzen für ein Nickerchen zwischendurch. Start ist am Samstag um 15 Uhr: Gentlemen, start your engines!

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