Die Technik des neuen Honda Accord Hybrid

Hybridautos haben es schwer in Deutschland, sie verkaufen sich einfach nicht. Zumindest verglichen mit Japan ist der Toyota Prius hierzulande ein Ladenhüter. Und deutsche Hersteller wie Audi oder BMW satteln eifrig vom Hybrid auf den Plug-in-Hybrid um. Ob die neuen Hybridmodelle von Kia und Hyundai (Niro und Ioniq) an der mangelnden Liebe der Deutschen für diesen Antrieb etwas ändern werden, ist die Frage. Aber vielleicht zwingt uns die weitere Entwicklung des Dieselskandals ja zum Umdenken? In den USA jedenfalls ist der nicht aufladbare Benzinhybrid nach wie vor en vogue. Honda stellt nun eine neue Version des Accord Hybrid vor. Interessant daran ist nicht nur das Hybridsystem, auch einige andere Technik-Features verdienen Beachtung.

Der ,two-motor hybrid" mit drei Motoren
Die Mittelklasselimousine erhält ein verbessertes Hybridsystem mit einer um 16 PS erhöhten Systemleistung. Die 215 PS Peak-Leistung stehen freilich nur kurzzeitig zur Verfügung – solange die Batterie voll ist. Der Intelligent Multi-Mode Drive (i-MMD) kombiniert einen 145 PS starken 2,0-Liter-Benziner mit einem elektrischen Antriebsmotor (184 PS) sowie einer weiteren E-Maschine (144 PS), die als Generator arbeitet. Da im Englischen nur die E-Maschinen als ,motor" gelten, während der Verbrenner ,engine" genannt wird, trägt das System auch die Bezeichnung ,two-motor hybrid".

Elektrisch, seriell oder parallel
Es gibt drei Betriebsarten. Der reine Elektrobetrieb (,EV Drive") erfolgt mit Energie aus dem Akku über die Vorderräder. Zusätzlich zu diesem elektrischen Vorderradantrieb schaltet sich im zweiten Modus (,Hybrid Drive") der Verbrenner ein. Er generiert über eine zweite Elektromaschine Strom, die die aus dem Akku bezogene Energie ergänzt – dies ist also ein serieller Hybridmodus. Der dritte Modus, "Engine Drive" genannt, ist ein paralleler Hybridmodus: Der Verbrenner treibt nach dem Schließen einer Kupplung direkt die Vorderräder an – zusätzlich zum Elektromotor.

Kein mechanisches Getriebe nötig
Meist ist laut Honda der Hybrid Drive aktiv, während der EV Drive nur bei geringer Last und für kurze Zeit verwendet wird, da der Lithium-Ionen-Akku lediglich 1,3 Kilowattstunden Energie speichert. Der "Engine Drive" tritt bei mittlerem bis hohem Tempo in Aktion. Ein mechanisches Getriebe ist bei diesem System nicht nötig

Passive Dämpferregelung
Technisch interessant sind auch die serienmäßigen ,Amplitude Reactive Dampers", die Ähnlichkeit mit den passiv arbeitenden Agility-Control-Dämpfern von Mercedes haben. Das Honda-System stellt je nach Fahrbedingungen automatisch eine von zwei Kennlinien ein. Auf schlechtem Belag wird die komfortable Kennlinie gewählt, bei schneller Kurvenfahrt die sportliche. Anders als normale adaptive Dämpfer (und wie das Mercedes-System) benötigt die Honda-Technik keinerlei Elektronik und funktioniert rein mechanisch.

Ungewöhnlich: Kamera im rechten Außenspiegel
Zu den optionalen Fahrerassistenzsystemen, zusammengefasst unter dem Begriff Honda Sensing, gehören ein Notbremssystem, ein Kollisionswarnsystem, ein Abstandstempomat und ein aktiver Spurhalteassistent, dazu kommen eine Rückfahrkamera und ein Fernlichtassistent. Für deutsche Maßstäbe ist das in der Mittelklasse keine besonders beeindruckende Ausstattung. Eine Besonderheit ist jedoch Honda Lane Watch: Wird der rechte Blinker betätigt oder ein spezieller Knopf gedrückt, erscheint das Bild einer Kamera im rechten Außenspiegel im Display des Accord. Das soll dem Fahrer ein besseres Blickfeld als der Blick in den rechten Außenspiegel gewähren und helfen Verkehr, Fußgänger oder Hindernisse im Toten Winkel rechtzeitig zu erkennen.

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