Konzernchef Müller gibt neue Strategie bekannt

Dieser Termin wurde mit Spannung erwartet: Wohin will der neue Volkswagen-Kapitän Michael Müller das mächtigen Konzernschiff in Zukunft lenken? Jetzt hat Müller die Strategie mit dem Namen ,Together – Strategie 2025" öffentlich verkündet. Die neuen Zauberwörter lauten ,digital" und ,Elektro".

Klasse statt Masse
Doch der Reihe nach: Fest steht jetzt, dass sich der VW-Konzern definitiv von den Zielen des einstigen Vorstandschefs Winterkorn verabschiedet. Dieser wollte Volkswagen zum größten Autokonzern der Welt mit dem global höchsten Fahrzeugabsatz machen. Auch deswegen spricht man jetzt vom ,größten Veränderungsprozess in der Geschichte des Konzerns". Müller fordert, auch als Seitenhieb auf den autokratisch regierenden Winterkorn, aus den Fehlern der ,Dieselthematik" zu lernen, Defizite zu beheben und eine offene, werteorientierte Unternehmenskultur zu etablieren. Weltweit führend möchte Müller auch sein, dieses Mal aber bei der nachhaltigen Mobilität.

Weniger Modelle, mehr Elektroautos
Die einzelnen Strategien der Konzernmarken werden in den nächsten Monaten folgen, konkrete Maßnahmen und Finanzziele will Volkswagen bis Ende 2016 präsentieren. Erster Eckpfeiler des Konzernumbaus ist die Transformation des automobilen Kerngeschäfts. So sollen die einzelnen Marken schärfer abgegrenzt werden. Modelle und Motoren möchte man mit Blick auf die ,attraktivsten und wachstumsstärksten Marktsegmente" optimieren. Im Klartext: Was nicht läuft, fliegt raus. Durchaus sinnvoll, denn im VW-Konzern existieren laut eigener Angabe 340 verschiedene Modellvarianten. Ein Schwerpunkt wird auf die Elektromobilität gelegt, ein Thema, das unter Winterkorn eher halbherzig betrieben wurde. Insgesamt sollen in den nächsten zehn Jahren mehr als 30 reine E-Autos auf den Markt kommen. Für das Jahr 2025 prognostiziert Volkswagen einen Absatz von zwei bis drei Millionen sogenannter BEV (Battery-Electric Vehicles), ein Anteil von bis zu 25 Prozent am gesamten Konzernabsatz.

Hauseigene Zukunft
Was plant Volkswagen noch? Das Economy-Segment, landläufig ,Billigauto" genannt, war eine Dauerbaustelle unter Winterkorn. Solche Fahrzeuge sind besonders in Asien wichtig, hier will man nun mit Partnern aus der Region zusammenarbeiten. Außerdem sollen neue Kompetenzfelder aufgebaut werden, um nicht in Abhängigkeit externer Anbieter wie Google zu kommen. Beim Thema Autonomes Fahren und Künstliche Intelligenz möchte man die nötigen Ressourcen im eigenen Haus haben. Ziel ist die Zulassung einer ,selbst entwickelten wettbewerbsfähigen technischen Lösung", also einem autonomen Fahrzeug, bis 2020. Auch die Batterietechnologie soll als neues Kompetenzfeld erschlossen werden.

Fahren ohne Besitz
Zweiter Eckpfeiler ist der Aufbau eines ,markenübergreifenden Geschäftsfelds für Mobilitätslösungen". Den Anfang macht die Vermittlung von Fahrdienstleistungen auf Abruf, hinzu kommen künftig Robotaxis, Car-Sharing oder Transport-on-Demand. Auch wenn Kunden keinen Audi, VW oder ähnliches komplett besitzen möchten, will der Konzern daran Geld verdienen. Bis 2025 plant man einen entsprechenden Umsatz in Milliardenhöhe. Für Zukunftsthemen im Rahmen der ,Strategie 2025" plant Volkswagen insgesamt Investitionen im zweistelligen Milliardenbereich. Um das Geld zu haben, wird der Konzern auf Effizienz getrimmt, betroffen ist die gesamte Wertschöpfungskette im Automobilgeschäft von der Entstehung bis zum Vertrieb. Aber natürlich sieht Kapitän Müller auch, was sich im Zuge der Abgasaffäre über Wolfsburg zusammenbraut und passt die Finanzziele an. Im Zentrum steht die Ertragskraft, so soll die operative Rendite bis 2025 auf sieben bis acht Prozent steigen. Gut für Aktionäre: An sie sollen nachhaltig 30 Prozent des jährlichen Nettogewinns ausgeschüttet werden.

Lesen Sie auch:

Gallery: Digital statt Diesel