VW-Dieselaffaire: Einigung über Entschädigung in den USA

Die Stimmung bei VW dürfte derzeit bei Management und Personal gleich schlecht sein: Konzernchef Müller weiß noch nicht, wie viel die Dieselaffaire kosten wird und auf die Mitarbeiter kommen Personalabbau und Kürzungen der Boni zu. Doch zumindest ein Kostenfaktor – die Kompensationen für die Käufer in den USA – ist nun geklärt: Ein US-Richter hat einem milliardenschweren Vergleich zugestimmt, wie VW nun bekannt gab.

Entschädigungen von 5.100 bis 10.000 Dollar
Hunderte von geschädigten US-Autobesitzern hatten wegen der Abgas-Schummelei gegen den deutschen Autobauer geklagt. Der zuständige Richter am District Court für das nördliche Kalifornien, Charles Breyer, bestätigte nun einen Vergleich zwischen Klägern und Konzern. Nun können alle betroffenen Kunden ihre Ansprüche anmelden. Die Autobesitzer erhalten je nach Modell und Alter des Fahrzeugs eine Entschädigung. Diese liegt nach der Zusammenfassung auf der Website des Gerichtes (http://www.cand.uscourts.gov/crb/vwmdl/proposed-settlement) bei 20 Prozent des Händlerpreises vom September 2015, mindestens jedoch 5.100 Dollar. Manche Eigentümer sollen so bis zu 10.000 Dollar erhalten.

Wahlmöglichkeit: Umrüstung oder Rückkauf
Zusätzlich zur Entschädigung wird das Fahrzeug entweder umgerüstet oder von VW zurückgekauft. Entscheidet sich der Autobesitzer für den Rückkauf, erhält er den Fahrzeugwert vom September 2015. Rechnet man Rückkaufswert und Entschädigung zusammen, bekommt der Eigentümer eines VW Jetta TDI aus dem Jahr 2009 je nach Ausstattung 12.475 bis 14.025 Dollar. Besitzer eines Audi A3 TDI von 2015 erhalten bis zu 44.176 Dollar.

Auch Umweltschäden werden kompensiert
Die genannten Beträge fließen aus einem Fonds, der von VW mit 10,033 Milliarden Dollar gefüllt wird. Dazu kommen für die Wolfsburger noch zwei weitere Kostenbatzen: 2,7 Milliarden Dollar fließen in einen Fonds, der Umweltschäden durch die überhöhten Stickoxid-Emissionen ausgleichen soll. Zudem muss VW 2,0 Milliarden Dollar investieren, um die Nutzung von Elektrofahrzeugen zu fördern – laut VW zum Beispiel durch den Aufbau von Ladestationen. Zusammen ergibt das einen Betrag von 14,7 Milliarden Dollar oder umgerechnet 13,5 Milliarden Euro. Dazu kommen noch die Anwaltskosten.

Viele Fragen weiter offen
Mit der Einigung ist nun ein dicker Brocken auf dem Weg zur Bewältigung der Dieselkrise beseitigt. Doch die Gesamtkosten bleiben weiter unkalkulierbar. So betrifft der Vergleich nur die 2,0-Liter-Diesel, aber nicht die 3.0-TDI-Modelle. Ungeklärt ist auch, ob und wie viel Geld den VW-Aktionären zusteht, die durch eine verspätete Veröffentlichung des Sachverhalts durch VW eventuell Nachteile hatten. Außerdem ist die Entschädigungsfrage in Europa noch völlig ungeklärt. Und dort geht es nicht um rund 500.000 Autos wie in den USA, sondern um viele Millionen. Weltweit sind etwa elf Millionen Pkw von der Abgas-Schummelei betroffen.

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