Neue Messungen zeigen: VW-Umrüstung scheint wirksam zu sein

Nach rund neun Monaten Dieselmisere zeichnet sich nun eine technische Lösung ab: Die von VW vorgenommenen Umrüstungen an betroffenen Fahrzeugen hat sich zumindest an drei Fahrzeugen als wirksam erwiesen. Das haben Messungen der drei Automobilclubs ADAC, ÖAMTC (Österreich) und TCS (Schweiz) mit Unterstützung durch die FIA (Fédération Internationale de l'Automobile) ergeben.

2.0-TDI-Versionen des alten A4 und alten Golf getestet
Untersucht wurden drei Fahrzeuge des Modells Audi A4 Avant 2.0 TDI mit 120 und 136 PS der Baujahre 2013 und 2014 sowie ein VW Golf der sechsten Generation mit dem 140 PS starken 2.0 TDI, jeweils mit Sechsgang-Schaltung und Start-Stopp-System. Dabei ergab sich, dass sich im aktuell gültigen EU-Zyklus (NEFZ) durch die Umrüstung weder die NOx-Emissionen noch der Verbrauch veränderten – das heißt, es gibt keine Verschlechterung.

Zyklen WLTP und BAB130
Wichtiger sind aber wohl die Ergebnisse bei höherer Last. Dazu schickten die Tester die Autos nochmal auf den Rollenprüfstand, unterwarfen sie aber den realitätsnäheren WLTC- und BAB130-Zyklen. WLTC steht für Worldwide Harmonized Light-Duty Vehicles Test Procedure – das ist der neue Verbrauchszyklus, der ursprünglich 2017 in der EU in Kraft treten sollte, aber von der deutschen Regierung gestoppt wurde. Er weist eine höhere Durchschnittsgeschwindigkeit und eine höhere Maximalgeschwindigkeit auf als der aktuell gültige NEFZ und soll deshalb um 25 Prozent höhere Verbrauchswerte liefern. Der BAB130-Zyklus wird vom ADAC für seinen Eco-Test verwendet. Das Kürzel steht für Bundesautobahn bei 130 km/h. Dabei wird wiederholt von 80 oder 110 km/h auf dieses Tempo beschleunigt.

Deutlich weniger NOx bei höherer Last
Nach den Tests reduzieren sich die NOx-Emissionen durch die Umrüstung signifikant, während sich der Verbrauch in diesen Zyklen nur leicht erhöhte. Mit der neuen Software vermindern sich die NOx-Emissionen je nach Fahrzeug und Messzyklus um bis zu zwölf Prozent beim Audi und um bis zu 36 Prozent beim VW. Unter Berücksichtigung der Messunsicherheit von maximal +/-2 Prozent ergibt sich beim untersuchten VW Golf je nach Zyklus außerdem ein geringer Verbrauchsanstieg von 0,4 bis 2,5 Prozent.

Umrüstung bringt Umweltvorteil
Laut ADAC deuten die Ergebnisse darauf hin, dass die Umrüstung bei den untersuchten Zwei-Liter-Diesel-Modellen im realen Fahrbetrieb einen Umweltnutzen erbringen kann. Verbrauch und Motorleistung werden danach durch die Umrüstung kaum beeinträchtigt. Auffällig sei jedoch, dass der Verbrauch im EU-Zyklus bereits vor der Softwareänderung um 7 bis 15 Prozent höher ausfiel als der vom Hersteller angegebene Normverbrauch. Beim getesteten VW Golf wurden die Typprüfwerte für CO2 (114 Gramm pro Kilometer) und den Kraftstoffverbrauch (4,3 Liter je 100 Kilometer) um 7,2 Prozent beziehungsweise 8,6 Prozent überschritten.

Noch keine allgemeine Aussage
ADAC, ÖAMTC und TCS weisen ausdrücklich darauf hin, dass die Untersuchung einzelner Fahrzeuge keine generellen Aussagen über alle zurückgerufenen Fahrzeuge zulässt. Die Tests geben nur eine erste Orientierung bezüglich der Nachrüstung. Um individuelle Rechtsansprüche zu begründen, müssen jedoch fahrzeugspezifische Untersuchungen durchgeführt werden.

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