VW einigt sich auf Entschädigung für US-Kunden

Wie Volkswagen in einer offiziellen Mitteilung bestätigt, hat sich der Konzern in der Manipulationsaffäre um TDI-Dieselfahrzeuge mit US-Bundesbehörden, privaten Klägern und 44 US-Staaten auf ein umfassendes Entschädigungs-Paket geeinigt. Es beinhaltet Rückkäufe, Entschädigungen und Strafzahlungen in Höhe von bis zu 14,7 Millarden US-Dollar (etwa 13,3 Milliarden Euro).

475.000 Autos betroffen
Bei insgesamt 475.000 2,0-Liter-TDI-Fahrzeugen stellt Volkswagen Rückkäufe, Leasingrücknahmen oder behördlich genehmigte technische Anpassungen in Aussicht. Betroffen sind 460.000 Volkswagen und 15.000 Fahrzeuge der Marke Audi. Zur Finanzierung dieser Maßnahmen richtet VW einen Fonds in Höhe von 10,033 Milliarden US-Dollar ein. ,Diese Summe basiert auf einer Teilnahmequote von 100 Prozent sowie der Annahme, dass sich 100 Prozent der in Frage kommenden Kunden entweder für einen Rückkauf oder eine vorzeitige Leasingrücknahme entscheiden", heißt es in der Mitteilung.

Milliardenschwere Umweltförderung
Die restlichen knapp 4,7 Milliarden Dollar setzen sich zusammen aus Zahlungen in einen Fond zur Förderung von Umweltprojekten (2,7 Milliarden Dollar über einen Zeitraum von drei Jahren) sowie in Infrastruktur-Investitionen zur Reduzierung von Emissionen (zwei Milliarden Dollar über einen Zeitraum von zehn Jahren). Wie es derzeit im Fall der 3,0-Liter-V6-TDI-Motoren aussieht, geht aus der VW-Meldung nicht genau hervor. Hier heißt es lediglich, dass weiterhin zügig daran gearbeitet werde, eine einvernehmliche Lösung für betroffene Fahrzeuge zu finden.

Entscheidung Ende Juli
Bevor der Vergleich in Kraft treten kann, muss der zuständige Richter Charles Breyer, bei dem die US-Klagen gebündelt sind, dem Entwurf zustimmen. Seine Entscheidung wird für den 26. Juli 2016 erwartet. Anschließend haben die Kläger die Möglichkeit, das Vergleichsangebot anzunehmen oder individuell weiterzuklagen. Laut Medienberichten beläuft sich die Entschädigung pro Besitzer je nach Alter des Autos auf etwa 5.000 bis 10.000 Dollar. Obendrein muss VW den Kunden anbieten, ihre Autos zurückzukaufen.

"Erhebliche Belastung"
VW-Finanzchef Frank Witter warnt: ,Vergleichslösungen in dieser Größenordnung belasten uns ohne Zweifel erheblich." Mit Blick auf die Gesamtrückstellungen in Höhe von etwa 16 Milliarden Euro für die Folgekosten des Abgas-Skandals tut sich ein weiteres Problem auf: Für die Lösung in den USA wären bereits gut 80 Prozent des Krisen-Polsters aufgebraucht, weltweit sind allerdings elf Millionen Fahrzeuge betroffen. VW-Konzernchef Matthias Müller sieht in den US-Vereinbarungen ,einen wichtigen Schritt nach vorne". Man sei sich allerdings bewusst, ,dass wir noch viel tun müssen, um das Vertrauen der Menschen in Amerika zurückzugewinnen."

Krise noch nicht ausgestanden
Dass man die Kundschaft in anderen Teilen der Welt mit solchen Aussagen sowie den hohen Entschädigunszahlungen für US-Kunden verärgert, dürfte auch klar sein. Aus der neuesten Mitteilung geht nochmals hervor, dass diese Maßnahmen aufgrund der schärferen Gesetzgebung in den USA nötig seien, man vergleichbare Wege in anderen Ländern aber nicht gehen werde. Der Abgas-Skandal ist für Volkswagen also noch längst nicht ausgestanden. In Deutschland wächst der Druck der Verbraucherzentralen, außerdem drohen Klagen von Anlegern wegen angeblicher Marktmanipulation.

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