Neues GT-Modell von Kia als Erlkönig

Dass der Kia-Hyundai-Konzern ehrgeizig ist, weiß man. Gerne würde der viertgröße Autohersteller der Welt auch in Europa Fahrzeuge der höheren Klassen anbieten. Da koreanische Autos aber hierzulande immer noch eher ein Billig-Image haben, befürchtete man bisher einen kommerziellen Misserfolg. Nun aber wird offenbar ein Wagen der oberen Mittelklasse erprobt. Unser Erlkönig-Fotograf hat das Versuchsfahrzeug erstmals erwischt – und zwar gleich mehrfach an verschiedenen Orten in Europa und in unterschiedlicher Tarnung.

Ein Fünftürer à la Audi A7 oder BMW 5er GT
Der Neuling von Kia ähnelt mit seinem abfallenden Dach dem Audi A7 oder dem BMW 5er Gran Turismo. Man kann den Kia-Neuling mit dem etwas schwammigen Begriff Gran Turismo belegen, wenn man darunter ein sportlich gestaltetes, aber reisetaugliches Auto versteht. Hier lassen sich nach der Funktion noch Fünf- und Viertürer unterscheiden: So sind Audi A7, BMW 5er GT und Porsche Panamera allesamt Fünftürer mit großer Heckklappe, während das Mercedes CLS Coupé und das BMW 6er Gran Coupé Viertürer mit einem kleinen Kofferraumdeckel darstellen. Wenn man nach der Karosserieform geht, gehört der fotografierte Prototyp eher zur fünftürigen Spezies.

Verfolgt Schreyer seinen GT-Plan weiter?
Eine fünftürige Sportlimousine dieses Typs stellte Kia bereits 2011 auf der IAA vor. Die 4,69 Meter lange Studie namens GT sollte Heckantrieb haben. ,Bei einem Heckantrieb-Layout sind ganz andere Proportionen möglich", ließ sich der damalige Kia-Chefdesigner Peter Schreyer 2011 zitieren. Heute leitet Schreyer (der vorher bei Audi den ersten TT entwarf) die Gestaltung auf Konzernebene. Er arbeitet mit einer anderen Designer-Legende zusammen, die ebenfalls Wurzeln im VW-Konzern hat: Luc Donckerwolke, dem Vater des Lamborghini Gallardo. Der zwölf Jahre jüngere Donckerwolcke soll Schreyer ab 2017 ablösen, wenn die Gerüchteküche recht hat. Dann würde der 51-jährige Belgier den neuen Kia enthüllen, der im Jahr 2018 auf den Markt kommen soll.

Bisher ist bei der Mittelklasse Schluss
Das getestete Auto dürfte mindestens in die obere Mittelklasse gehören. Bisher endet die Kia-Palette in Deutschland mit der Mittelklasselimousine Optima, die es bald auch als Kombi geben wird. In Korea werden dagegen auch Limousinen der oberen Mittelklasse (Kia K7) und der Oberklasse (K9) angeboten. In den USA heißen diese Cadenza (entspricht dem K7) und K900 (K9). Was Europa und Deutschland betrifft, nahmen die Koreaner Misserfolge wie Lexus LS, Infiniti Q70, Honda Accord oder Citroën C6 als abschreckende Beispiele. Partnermarke Hyundai bietet den Genesis (entspricht dem K7) an, verkauft ihn aber nur in homöopathischen Dosen. So wäre es eine Überraschung, wenn sich der neue, große Kia zum Megaseller entwickeln würde. Aber der Kia-Slogan lautet ja ,The Power to Surprise."

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