Der Serien-Weltmeister stellt sein Motorsport-Programm um

Die Abgasaffäre und ihre Folgen hängen noch immer wie dunkle Wolken über VW und dem Volkswagen-Konzern. Neben der finanziellen Bewältigung der Vergangenheit geht es auch um die Ausrichtung für die Zukunft. Zu spüren bekommen das nun die Motorsport-Aktivitäten. Vor kurzem beendete Audi bereits sein Engagement in der Langstrecken-WM zugunsten der Formel E. Jetzt verkündet VW den Ausstieg aus der Rallye-Weltmeisterschaft, die man viermal in Folge auf Fahrer- und Herstellerseite gewinnen konnte.

Neuausrichtung eines Seriensiegers
Offiziell begründet VW das Aus mit den ,gewaltigen Herausforderungen", vor denen die Marke steht, so Entwicklungsvorstand Frank Welsch. Man wolle Volkswagen Motorsport nun neu ausrichten und auch dort die Fahrzeugtechnik der Zukunft stärker in Mittelpunkt rücken, so Welsch weiter. Ähnlich wie bei Audi dürften aber die Kosten und die Erfolgsperspektiven eine Rolle gespielt haben. Deutlich macht das eine Zahl: Bei 51 Rallyes sind die VW-Werksfahrer im Polo R WRC zu 42 Siegen gefahren. Es gibt praktisch kaum noch etwas zu gewinnen. Gleichzeitig ist die Entwicklung und Fertigung eines Autos für die erste Rallye-Liga sehr teuer.

Kundensport statt Werkseinsatz
So verwundert es nicht, dass VW umdenkt. Auch künftig wird man Rallyes fahren, jedoch nicht mehr mit einem Werksteam. Stattdessen beginnt 2017 die Neuentwicklung eines Rallye-Fahrzeugs der R5-Kategorie auf Basis des nächsten Polo. Dieses Auto können interessierte Kunden ab 2018 kaufen. Die Konzernschwester Skoda ist bereits mit einem R5-Fabia in der WRC 2, also der ,zweiten Liga", unterwegs. Die Regeln hier: Mehr Standardteile und Seriennähe, ein Exemplar darf höchstens 180.000 Euro kosten.

Beschäftigungsgarantie für Mitarbeiter
Entlassen wird kein Mitarbeiter bei VW Motorsport, offen bleibt aber die Zukunft der bisherigen Werkspiloten. Der Kundensportgedanke samt Hilfe vom Hersteller setzt sich im VW Golf GTI TCR für den Tourenwagen-Bereich fort. Unangetastet bleibt das Engagement von Volkswagen in den USA mit zwei besonderen Beetle GRC im Rahmen der Global-Rallycross-Serie.

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