Der Fiat 124 Spider wird 50 Jahre alt

Woran denken Sie mit Blick auf ikonische Fiat-Modelle? Bestimmt an den 500 und andere Kurzware wie 850, 126, Uno oder Panda. Doch auch ein Roadster wurde so sehr zur Legende, dass er inzwischen eine Retro-Neuauflage erfahren hat. Die Rede ist vom Fiat 124 Spider. Jetzt wird er 50 Jahre alt.

Premiere in Turin
Rückblende in das Jahr 1966: Seinerzeit zählte der Turiner Autosalon im November noch zu den Messe-Highlights, schließlich war er das Heimspiel des Fiat-Konzerns. Anders als heute deckte die Fiat-Modellpalette jener Jahre das gesamte Spektrum vom winzigen Stadtflitzer über die Oberklasse bis hin zu Nutzfahrzeugen alles ab. Bereits im Frühjahr 1966 hatte Fiat die neue 124 Limousine präsentiert, die später als ,Lada" Jahrzehnte überdauern sollte. In Turin wurde das 124-Angebot mit der Kombi-Version ,Familiare" und dem 124 Sport Spider erweitert.

Form aus berühmtem Hause
Für das Design des 3,97 Meter langen 124 Sport Spider war Pininfarina zuständig, der Roadster geriet sechs Zentimeter kürzer als die Limousine. Lange bevor man von Baukastensystemen sprach, nutzte der offene 124 die Technik der Limousine, darunter den Hinterradantrieb. Aber der Sport Spider musste seinen Aufpreis von gut einem Drittel gegenüber dem biederen Bruder rechtfertigen. Deshalb gab es ein edleres Cockpit mit Drehzahlmesser und einer Öldruckanzeige ebenso wie Holzverkleidungen im Innenraum. Auch der Motor mit 1,4 Liter Hubraum wurde nachgewürzt. Zwei obenliegende Nockenwellen sorgten für 90 PS und eine Spitze von 170 km/h, stets serienmäßig war ein Fünfgang-Getriebe.

Heißes Eisen von Abarth
Übrigens wurde ebenfalls 1966 mit dem Alfa Romeo Spider der ewige Rivale des Fiat 124 Spider vorgestellt. Auf 109 PS brachte es der erste Alfa Spider. Was zu diesem Zeitpunkt noch keiner ahnen konnte: Er sollte noch länger gebaut werden als der Fiat. Beide Modelle waren in den USA sehr beliebt, 1968 startete dort der 124 Spider. Ein Jahr später gab es einen neuen Waben-Kühlergrill, ins Programm rückte zusätzlich ein 1,6-Liter-Motor mit 110 PS. Ab 1972 ersetzten 108 und 118 PS starke Aggregate aus dem neuen Fiat 132 die bisherigen Motoren. Richtig heiß wurde es ab September des Jahres: Abarth hatte ein Homologationsmodell des 124 Spider für die Gruppe 4 der Rallye-WM entwickelt, in dem 128 PS wüteten. Zum Erkennungszeichen wurde die schwarze Motorhaube.

Ein Auto mit Pininfarina-Logo
Schwarze Zeiten brachen in den 1970er-Jahren für Cabrios und Roadster an. Immer schärfere Sicherheitsvorschriften machten vielen Modellen den Garaus. Nicht so dem Fiat 124 Spider, der ab 1978 aus zwei Liter Hubraum 100 PS holte. In den USA wurde der Wagen auf 87 PS kastriert, wuchtige Stoßfänger verbesserten das Aussehen nicht wirklich. Fiat nahm im Herbst 1982 den 124 Spider aus dem offiziellen Programm. Der Tod? Mitnichten! Nun baute Pininfarina das Modell als ,Spider Europa" unter eigenem Markenzeichen, der Vertrieb erfolgte über die Fiat-Händler. Bemerkenswert war der ab 1983 angebotene ,Volumex" mit Kompressor und 136 PS Leistung. Nach insgesamt rund 200.000 gebauten Fahrzeugen, von denen 75 Prozent in die USA gingen, kam 1985 das endgültige Aus.

Rückkehr nach drei Jahrzehnten
Exakt 30 Jahre ließ sich Fiat für das Comeback des 124 Spider Zeit. Möglich machte es Mazda: Eigentlich sollte der neue MX-5 die Grundlage für einen Alfa Spider sein, doch im Fiat-Konzern (inzwischen FCA) entschied man sich zum Kurswechsel. So debütierte 2015 in Los Angeles ein neuer 124 Spider, dessen Design deutliche Retro-Anleihen zeigt. Technisch unterscheidet sich der Roadster vor allem durch seine Turbomotoren vom ansonsten weitestgehend baugleichen MX-5.

Sondermodell zum Jubiläum
An die enge Beziehung von Fiat und Pininfarina beim alten 124 Spider erinnert jetzt ein Sondermodell der Neuauflage. Es heißt ,Spider America" und verweist mit einer Bronze-Lackierung auf die Pininfarina-Spider der 1980er-Jahre. Der Innenraum ist mit braunem Leder ausgeschlagen, serienmäßig sind ein Navigationssystem und eine Rückfahrkamera an Bord. Unter der Haube arbeiten 140 PS. Die Preise starten bei 31.990 Euro, mit Automatikgetriebe werden 33.890 Euro fällig.

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