Alle Infos zum Facelift des VW Golf 7

Vermutlich hat auch die Autowelt gerade andere Sorgen, aber wenn ein neuer Golf kommt, dann hält sie durchaus mal den Atem an. Jetzt kommt mit dem großen Golf-7-Facelift nach gut vier Jahren immerhin ein halber neuer Golf und auch wenn die Änderungen von außen wohl nur für Experten ersichtlich sind – was sich unter dem Blech (oder wohl eher unter der Benutzeroberfläche) des wichtigsten Volkswagens getan hat, ist dann doch ziemlich bahnbrechend. Zumindest nach Kompaktklassen-Maßstäben. Denn einmal mehr bestückt Wolfsburg seine Ikone frühzeitig mit Technik, die man sonst nur in deutlich teureren Autos findet. Der VW Golf 2017 wird dank komplett neuer Infotainmentsysteme digital und vernetzt wie nie und teilautonom fahren kann er künftig auch. Ebenfalls im Facelift enthalten: Zwei neue Spar-Benziner, mehr Leistung für den GTI sowie ein neues Siebengang-DSG. Alles, was Sie zur Golf-Modellpflege wissen müssen – hier verraten wir es Ihnen ...

Außen kaum Änderungen
Positive Nachrichten sind bei VW derzeit Mangelware, da kommt ein großes Update für den Bestseller gerade recht. Weg mit dem schädlichen Diesel-Mief, her mit einer möglichst elektrischen und digitalen Hightech-Zukunft. Was das Elektrische betrifft: Den neuen e-Golf mit einer "deutlich vergrößerten Reichweite" zeigt VW auf der LA Auto Show (18. bis 27. November 2016. In Sachen Digitalisierung, Bedienung und Assistenzsysteme schlägt der 2017er-Golf aber schon jetzt ein ganz neues Kapitel auf. Außen erkennt man davon wenig: Es gibt die übliche Facelift-Schminke mit neu geformten Schürzen, einem geänderten Grill sowie neuen, nun serienmäßigen LED-Rückleuchten. Wer zudem gerne mehr als die ab Werk verbauten Halogen-Scheinwerfer will, kriegt hier nun künftig LED statt Xenon. Das wars dann aber auch schon mit der Optik. Wilde Experimente mit dem eigenen Aussehen gehören sich schließlich nicht für eine Ikone.

Erster VW mit Gestensteuerung
Wer den Wandel spüren will, muss also einsteigen. Ein paar neue Dekorblenden und aufgefrischte Sitzbezüge sind quasi Pflicht, interessant wird es aber erst beim Blick auf die vielen neuen Displays und die Möglichkeiten des sogenannten ,Modularen Infotainmentbaukastens" (MIB). Natürlich kriegt der geliftete Golf das voll digitale 12,3-Zoll-Instrumentenwunder ,Active Info Display", das Sie vermutlich als ,Virtual Cockpit" aus diversen neueren Audis kennen. Gegen Aufpreis ersetzt es die klassischen Rundinstrumente durch seine frei konfigurierbaren, hochauflösenden Anzeigen. Für die richtigen Neuheiten müssen Sie ihren Blick aber in Richtung Mittelkonsole wenden. Dorthin, wo die Infotainmentsysteme sitzen, um genau zu sein. Selbige werden zur Gänze durch neu designte Geräte mit größeren Touchscreens ersetzt. Fortan gibt es also Displays mit 6,5 und 8,0 Zoll Bildschirmdiagonale. Die wahre ,Sensation" versteckt sich jedoch hinter dem künftigen Top-Teil ,Discover Pro" mit 9,2-Zoll-Screen. Als erstes Volkswagen-System verfügt es neben Touch- und Sprachbedienung auch über eine Gestensteuerung. Ein Novum in der Kompaktklasse, sagt VW. Menüpunkte lassen sich nun per Wisch nach links und rechts verschieben. Was genau via Geste bedienbar ist, zeigt ein Lichtreflex. Hat man erfolgreich gewischt, gibt es einen Soundeffekt. Dieser ist glücklicherweise abschaltbar.

Viele Apps, keine Knöpfe
Eine Glasfläche überspannt den gesamten Screen. Tasten, Knöpfe, Regler oder ähnliches gibt es nicht mehr. Dafür ist ,Discover Pro" frei konfigurierbar und maximal vernetzt. Apple CarPlay, Android Auto und MirrorLink sind ja fast schon eine Selbstverständlichkeit. Eine neue App im Facelift-Golf ermöglicht es aber auch, alle Media-Funktionen inklusive der Navigation über das eigene Smartphone oder Tablet zu steuern. Sprich: Auch von der Rückbank aus kann man nun beeinflussen, was vorne so läuft. Weitere Apps beinhalten Online-Verkehrsinfos mit Echtzeit-Einbindung in die Zielführung oder Dienste wie Google Street View. All die App-Funktionen sind auch beim kleineren 8,0-Zoll-System verfügbar.

Jetzt auch autonom
Große Fortschritte macht der 2017er-Golf auch beim Thema Assistenzsysteme. Vor allem deshalb, weil er künftig in der Lage sein wird, selbst zu fahren. Ein bisschen zumindest. Auf Basis des Spurhalteassistenten und der automatischen Distanzregelung ACC hat VW einen Stauassistenten entwickelt, der den neuen Golf bis zu Geschwindigkeiten von 60 km/h automatisch bremsen, beschleunigen und lenken lässt. In Staus oder bei Stop-and-Go-Verkehr fährt das Auto nun also teilautonom. Auch hier müssen die Hände aber freilich am Lenkrad bleiben. Weitere Neuerungen im Bereich Fahrhilfen sind eine Fußgängererkennung für die City-Notbremsfunktion, ein Notfall-Assistent, der das Fahrzeug kontrolliert abbremst, wenn er erkennt, dass der Pilot keinerlei Fahraktivität mehr zeigt, sowie der bereits aus anderen Volkswagen bekannte Trailer Assist, der das Rangieren mit Anhänger erleichtern soll. Zudem hat man den Park-Assistenten optimiert. Der Golf schert halbautomatisch nun auch vorwärts in Querparklücken ein.

Neue Spritspar-Benziner
Nur falls Sie sich bereits gewundert haben: Fahren kann der modellgepflegte Golf 7 natürlich auch noch. Das tat er bisher offenbar schon so gut, dass VW auf Änderungen an Chassis oder Fahrwerk komplett verzichtet. Auch in puncto Antrieb tut sich nicht allzu viel. Lediglich ein neuer Vierzylinder-Turbobenziner namens 1.5 TSI Evo ergänzt die golfige Motorenpalette. Er leistet 150 PS, 250 Newtonmeter Drehmoment, verfügt über eine Zylinderabschaltung und soll mit 4,9 Liter im Schnitt auskommen. Eine effizientere BlueMotion-Variante dieses Aggregats ist ebenfalls in Vorbereitung. Sie kommt auf 130 PS und 200 Newtonmeter und punktet unter anderem mit einem neuartigen Brennverfahren im Miller-Zyklus, variabler Turbinengeometrie und einer erweiterten Segelfunktion, die den Motor beim Gaswegnehmen auch komplett ausschalten kann. Das war bisher nur bei Hybridfahrzeugen möglich. VW verspricht ,im kundenrelevanten Betrieb" einen Verbrauchsvorteil von bis zu einem Liter. Der Normverbrauch des neuen Spar-Aggregats wird mit 4,6 Liter angegeben.

Markstart im Frühjahr 2017
Bei allen weiteren Golf-Motoren bleibt alles, wie es ist. Das bedeutet weiterhin Diesel mit 110 bis 184 PS sowie Turbo-Benziner mit 85 bis 300 PS. Eine Ausnahme bildet hier der Volkssportler Golf GTI. Die Leistung seines 2,0-Liter-Turbos steigt von 220 auf 230 PS, in der GTI-Performance-Variante liegen statt 230 nun 245 PS an. Zudem hat sich VW ein neues Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe ausgedacht, das nach und nach die noch im Golf verbliebenen Sechsgang-DSGs ablösen wird. Bestellbar ist das Golf 7 Facelift ab Dezember 2016, der Marktstart erfolgt im Frühjahr 2017. Eine genaue Preisliste gibt es noch nicht, auf Nachfrage verriet VW jedoch, dass der Basispreis unverändert bleibt.

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