Jaguar legt historischen XKSS ganz neu auf

Fast 60 Jahre war Ruhe, jetzt lässt Jaguar den großartigen XKSS wieder auferstehen. Abseits des Messetrubels der Los Angeles Auto Show zeigten die Briten heute im Petersen Museum von Los Angelels das erste von neun neuen alten Modellen, die einen ,Missing Link" in der Markenhistorie schließen.

Im Feuer vernichtet
Die Geschichte dazu lautet wie folgt: Als sich Jaguar im Jahr 1956 vom werksunterstützen Motorsport zurückzog, hatte man plötzlich ein paar D-Types sowie einen Haufen überschüssiger Teile rumstehen. Also beschloss man, diese D-Types zu Straßenautos umzubauen, indem man Scheiben, Verdecke und Gepäckträger installierte. Die Mechanik ließ man weitgehend unberührt. Eine Auflage von 25 Autos war das Ziel, neun Exemplare (alle für die USA bestimmt) fielen jedoch einem Brand in Jaguars Browns-Lane-Werk zum Opfer. Sprich: Insgesamt wurden nur 16 Fahrzeuge ausgeliefert.

16 Monate Aufbauarbeit
Anfang des Jahres verkündete Jaguar nun Pläne, die neun fehlenden Exemplare des XKSS nachzubauen. Die Verantwortung trägt einmal mehr Jaguar Classic, die gleiche Truppe, die schon 2014 für sechs fehlende Lightweight E-Types verantwortlich zeichnete. Hier sehen Sie die Nummer eins, auch wenn es sich dabei nicht wirklich um das erste Kunden-Fahrzeug handelt. Die Projekt-Recherche dauerte 16 Monate. Man musste die Original-Zeichungen studieren und diverse Original-Teile scannen, um ein vollständiges digitales Bild zu erhalten. Das in ,Sherwood Green" lackierte Auto auf den Bildern dient nun als Vorlage, nach der die neun ,vermissten" Autos aufgebaut werden.

262-PS-Sechszylinder
Alle Neune werden komplett neue Autos sein, wenn sie auch alte Chassis-Nummern erhalten. Wie im Jahr 1957 wird die Karosserie aus einer Magnesium-Legierung handgeformt. Da die Original-Holzformen nicht mehr existieren, rekonstruierte man sie kurzerhand mit Hilfe von Original-Karosserien aus den 50ern. Ganz authentisch sind auch die Dunlop-Scheibenbremsen sowie die Dunlop-Reifen, die auf genieteten, zweiteiligen Magnesium-Aluminium-Felgen sitzen. Unter der Haube sitzt ein 3,4-Liter-Reihensechszylinder aus dem D-Type, der es auf 262 PS bringt. Jaguar versieht ihn mit neuem Block, neuen Zylinderköpfen aus Gusseisen sowie drei DCO3-Weber-Vergasern. Schon damals soll der XKSS eine Höchstgeschwindigkeit von 230 km/h erreicht haben.

Alle vergriffen
Im Interieur des XKSS wurde viel unternommen, um ,ein möglichst zeitgenössisches Cockpit-Feeling zu erzeugen". Das Holz fürs Lenkrad, die Narbung des Leders, die Messingknöpfe am Armaturenbrett oder die Smiths-Rundinstrumente – alles sieht exakt so aus wie im Jahr 1957. Großartig. Abweichungen vom historischen Vorbild gibt es laut Jag nur dort, wo man die Sicherheit der Insassen verbessern konnte. Der Tank beispielsweise ist nun deutlich robuster als beim Original. Insgesamt fließen 10.000 Mannstunden in den Neubau eines jeden XKSS. Das macht den Preis von einer Million Pfund (etwa 1,16 Millionen Euro) zumindest ein bisschen verständlicher. Wie es derzeit Mode ist, sind natürlich alle neun XKSS bereits verkauft. Die Auslieferung an die glückliche Kundschaft erfolgt ab Anfang 2017.

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