Das Elektroflugzeug Lilium Jet

Auch wenn noch längst nicht alle Autofans und Petrol Heads überzeugt sind: Elektroautos sind wohl wirklich die Zukunft. Doch auch wenn sie keine Abgase produzieren, die Parkplatznot und die Stauproblematik lässt sich damit nicht beheben. Warum also nicht in die Luft gehen, hat sich ein Start-up-Unternehmen in Gilching bei München gefragt und ein Elektro-Flugzeug ersonnen: den Lilium Jet.

Senkrechtstarter mit 36 Kleinpropellern
Einen Prototypen des Lilium Jets im Maßstab eins zu eins gibt es bereits, und kleinere Modelle haben schon erfolgreiche Flüge hinter sich. Der Lilium Jet besitzt eine zweisitzige Kabine und hat eine Größe von sieben mal vier Meter. 36 elektrisch angetriebene Kleinpropeller mit einer Gesamtleistung von 320 Kilowatt oder 435 PS verteilen sich auf die beiden Flügel und zwei Elemente links und rechts. Alle Propeller lassen sich auch nach unten drehen. Gestartet und gelandet wird vertikal, der Flieger ist also ein Senkrechtstarter (VTOL, Vertical Take-Off and Landing). Eine Landebahn braucht man deshalb nicht. Stattdessen soll es in Zukunft kleine Landeplätze in den Innenstädten geben, von denen man direkt, ohne Umweg über einen Flughafen, verreisen kann: Frühstücken in München, shoppen in Mailand und abends zum Dinner nach Marseille.

300 Kilometer Reichweite
Woraus die Außenhülle des Flugzeugs besteht, verrät Lilium nicht. Doch das Flugzeug wiegt nur 400 Kilo. Mit der maximalen Zuladung von 200 Kilo ergibt sich ein Startgewicht von unter 600 Kilo. Im Flug soll der Jet eine Geschwindigkeit von 250 bis 300 km/h erreichen, die Akkus sollen für 300 Kilometer genügen. Angaben zur Kapazität in Kilowattstunden und zum Aufladen fehlen noch.

Einsatz als Lufttaxi oder als Sharing-Vehikel
Und was wird das Ding kosten? Den ungefähren Betrag kennt man bei Lilium zwar, aber man will das Flugzeug gar nicht unbedingt an Privatleute verkaufen, sondern eher an andere Firmen, die es wie ein Carsharing-Auto oder wie ein Taxi einsetzen – nur eben in der Luft. So soll der Lilium zum Pendlervehikel für Jedermann werden. So könnte man sich auch die teuren Mieten in der Großstadt sparen.

So einfach zu steuern wie ein Auto
Die Bedienung soll nicht komplizierter sein als bei einem Auto. Man drückt einfach den Schubhebel nach vorn, und die Elektronik steuert die 36 Motoren und die Ruder automatisch. Das Flugzeug soll kontinuierlich vom Aufwärtsschweben in den Horizontalflug übergehen, wobei auch Kurven möglich sind. Der Computer sorgt auch dafür, dass unsichere Manöver durch den Piloten einfach nicht umgesetzt werden. Außerdem soll sich das Vehikel auch unter ungünstigen Umständen immer noch senkrecht landen lassen. Doch ist zum Fliegen voraussichtlich ein so genannter LSA-Flugschein nötig. Die Abkürzung steht für Lights Sport Aircraft, eine neue Klasse von Flugzeugen, die schwerer als Ultraleichtflugzeuge sind, aber mit 600 Kilo Abfluggewicht immer noch zu den fliegenden Leichtgewichten gehören.

Zehn Millionen Euro Budget
Lilium Aviation wurde 2015 von vier Ingenieuren und Produktdesignern der TU München gegründet. Heute zählt das Team über 35 Mitarbeiter. Die Firma finanziert sich über eine Londoner Venture-Capital-Firma namens Atomico, die unlängst zehn Millionen Euro für die Entwicklung zur Verfügung gestellt hat. Anfang 2017 will man mit Flugtests beginnen und sich mit dem Projekt weiter in Richtung kommerzielle Fertigung bewegen.

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