Infiniti Project Black S debütiert in Genf

Infiniti dreht auf dem Genfer Autosalon 2017 mächtig an der Testosteron-Schraube. Die edle Nissan-Tochter zeigt eine massiv breite, verspoilerte und gemein aussehende Version ihres Q60 Coupé, die etwa 500 PS haben könnte. Das Ganze nennt sich Project Black S und sieht zweifelsfrei nach 500 PS aus. Das Problem ist nur: Es gibt noch gar keinen Motor. Lediglich die Idee zu einem – unbestritten hochinteressanten – Antriebsstrang besteht bisher. Selbiger soll von astreiner Formel-1-Technik und -Expertise profitieren und der weltweit erste Motor sein, der über eine Motor-Generator-Einheit am Turbolader eines Serienautos verfügt. Klingt nach fürchterlichem Ingenieurs-Kauderwelsch? Wir klären gerne auf ...

Kooperation mit Renault-F1-Team
Wenn Sie regelmäßig Formel 1 schauen, dann wissen Sie womöglich, dass Infiniti Sponsor von Red Bull Racing war. Über einen kleinen Aufkleber auf deren Auto ging die Kooperation aber nicht hinaus. Nun gibt es jedoch (wieder) ein Renault-F1-Team und durch die Renault-Nissan-Allianz hat Infiniti plötzlich eine Kooperation mit Renaults F1-Motoren-Team am laufen. Nicht ganz unpraktisch, wenn man einen 500-PS-BMW-M4-Gegner auf die Beine stellen will. Selbiger dürfte, wenn er denn kommt, auf den Namen Q60 Black S hören und sich als Basis des neuen Infiniti 3,0-Liter-Biturbo-V6 bedienen, den man derzeit schon in einer 405-PS-Version im Q60 Red S bekommt.

Viel funktionale Aerodynamik
Gezeichnet wurde der überaus rabiate Project Black S in Infinitis Londoner Designstudio. Das Gelb an Bremssätteln und Heckflügel ist die Farbe des Renault F1-Teams. In der zweiflutigen Titan-Abgasanlage könnten wohl auch mehrere Bieber übernachten. Frontsplitter, Heckdiffusor, Kotflügel und Seitenschweller sind aus Carbon. Air Blades vor den Hinterrädern leiten die Luft um die unteren Karosserieteile und sorgen in Verbindung mit dem Heckdiffusor für Abtrieb. Der gigantische Carbon-Heckspoiler hat das gleiche im Sinn. Die fast schon beängstigend großen Lufteinlässe an der Front sollen Motorraum und Bremsen mit Frischluft versorgen, während die schicken Luftschlitze in der Motorhaube Wärme abführen, die sonst für zu viel Druck unter dem Auto sorgen würde. Die geschmiedeten 21-Zöller sollen leichter sein als die kleineren Räder beim normalen Q60. Sie werden durch Verbreiterungen an den Radläufen bedeckt. Die Spur des Black S ist nämlich breiter, die eigentliche Karosserie aber nicht.

Duale Hybrid-Technik aus der Formel 1
Richtig interessant wird es beim Blick in den potenziellen Motorraum des Q60 Project Black S. Wie in der Formel 1 soll es mehrere Motor-Generator-Einheiten (sogenannte Motor Generator Units, MGU) und ein Akkupaket geben. Die MGU-K speichert Energie aus Bremsvorgängen. Das machen aktuell erhältliche Hybrid-Fahrzeuge auch nicht anders. Neu sind jedoch die sogenannten MGU-H-Einheiten, die jeweils direkt an den Turboladern des V6-Motors montiert werden. Sie speichern die von den Abgasen erzeugte Wärmeenergie. Die so gewonnene zusätzliche Power kann jetzt genutzt werden, um Kurbelwelle und Turbos schneller drehen zu lassen. In einem Straßenauto hat das so bisher noch niemand umgesetzt, aber Infiniti erprobt es für den Black S. Man spricht von einer etwa 25-prozentigen Leistungssteigerung und einer verzögerungsfreien Beschleunigung. Auf dem Genfer Autosalon 2017 (9. bis 19. März) will Infiniti das Interesse an einem eigenen High-Performance-Modell ausloten, aus dem später auch eine ganze Black-S-Familie werden könnte.

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