Vor 30 Jahren debütierte der Alfa Romeo 164

Alles wurde für Alfa Romeo anders: Ende 1986 übernahm Fiat die Traditionsmarke in sein Konzernportfolio. Das erste Resultat der neuen ,Mutterschaft" stand 1987 auf der IAA in Frankfurt: der Alfa Romeo 164. Jetzt feiert der kantige BMW-5er-Rivale seinen 30. Geburtstag.

Vier gewinnt
Die Geschichte des Alfa Romeo 164 beginnt mit Alberto. So wird intern jenes Projekt genannt, dass sowohl den Alfa 6 als auch den 90 ersetzen soll, die beide eher unglücklich in der oberen Mittelklasse agieren. ,Alberto" ist übrigens kein zufällig gewählter Name, sondern setzt sich ,Al" für Alfa Romeo, ,Ber" für Berlina, also Limousine auf italienisch und ,To" für Torino (= Turin) zusammen. Der Hinweis auf Turin zeigt an, wer das Sagen bei dem Projekt hat und das schon vor der Alfa-Übernahme. Fiat und seine Konzernmarke Lancia haben ebenso wie Saab und Alfa ein Auto in der gleichen Größenordnung im Blick. So entsteht das Projekt ,Tipo 4", aus dem der Fiat Croma, der Lancia Thema, der Alfa 164 und der Saab 9000 hervorgehen.

Design von Pininfarina
Alle vier Fahrzeuge nutzen aus Kostengründen die gleiche Plattform, teilweise lassen sich sogar untereinander die Türen tauschen. Doch während Fiat, Lancia und Saab ihre Designs bei Italdesign ordern, lässt Alfa den 164 bei Pininfarina entwerfen. Das sieht man dem Ergebnis an: Während das Trio zwischen sachlich und langweilig pendelt, wird der kantige 164 mit seinen schmalen Rückleuchten zum Hingucker. Die eingefleischten Alfisti bemängeln zwar den untypischen Frontantrieb, doch das Motorenangebot dient der Versöhnung.

Wohlklang mit V6
Weil in Italien Benziner über zwei Liter Hubraum unverhältnismäßig hoch besteuert werden, ist der Basismotor im 164 ein Zweiliter-Vierzylinder mit doppelter Nockenwelle und 143 bis 148 PS, je nach Ausrüstung ohne oder mit Katalysator. Hinzu kommt ein Turbo mit gleichem Hubraum und 175 PS, er ist eine Leihgabe von Lancia. Diesel-Fans bekommen einen 2,5-Liter-Turbomotor mit anfangs 114, später 125 PS. Glanzstück der Motorenpalette ist aber der Dreiliter-"Arese"-V6, benannt nach dem Werk, in dem er gefertigt wird. Glanzstück im reinsten Wortsinne sogar, denn die sechs verchromten Ansaugrohre schmeicheln den Augen. Zunächst mit 184 respektive 192 PS versehen, steigert sich die ab 1992 angebotene Version mit Vierventil-Zylinderkopf auf bis zu 232 PS und eine Spitze von 245 km/h.

Ende nach zehn Jahren
Sehr speziell bleibt der eigens für Italien (die Steuer – Sie wissen schon...) ins Programm genommene Zweiliter-V6 mit Turboaufladung und 204 PS. Ab dem Modelljahr 1993 rückt mit dem 164 Super ein überarbeitetes Design ins Programm, neuer Basisbenziner ist ein 144 PS starker Vierzylinder mit Fiat-Genen. 1994 bekommen alle 164 einen Fahrer-Airbag in Serie und tragen nun die Optik des Super. Ende Juni 1997 rollt der letzte 164 vom Band, gebaut wurden fast 270.000 Exemplare, davon rund 50.000 mit Dreiliter-V6. Als Nachfolgemodell geht der Alfa Romeo 166 an den Start.

Wahnsinn mit 620 PS
Der irrste Alfa 164 bleibt indes ein Einzelstück: Ende der 1980er-Jahre plant Formel-1-Pate Bernie Ecclestone eine Tourenwagen-Serie mit reiner Formel-1-Technik unter einer Hülle, die Serienfahrzeugen ähnelt. Alfa baut ein so genanntes ProCar mit der Silhouette des 164 und dem für die Königsklasse konstrierten 3,5-Liter-V10. Die Karosserie besteht aus einer Monocoque-Struktur aus Aluminium, die Hauben vorne und hinten sind aus Kohlefaser. Das Chassis spendiert Brabham. Ein richtiger Renneinsatz bleibt dem Monster-164 verwehrt, der nur einmal im Vorprogramm des Großen Preises von Italien in Monza sein Potential aufblitzen lässt. Mit 620 PS beschleunigt das Procar von Alfa in nur zwei Sekunden auf Tempo 100. Mit Formel-1-Pilot Riccardo Patrese am Steuer werden 329 km/h gemessen, mehr als bei Patreses Kollegen, die interessiert zusehen.

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