Neue Ausstellung im Turiner Automuseum

James Dean, die knalligen Farben der Pop Art von Roy Liechtenstein und üppige US-Autos mit viel Chrom und riesigen Heckflossen: Diese und andere Aspekte der 50er- und 60er-Jahre ruft eine neue Ausstellung des italienischen Auto-Nationalmuseums (Museo Nazionale dell`Automobile) in die Erinnerung zurück. Die Schau namens ,Incroci" (italienisch für ,Kreuzungen") kann noch bis zum 25. Juni 2017 in Turin besichtigt werden.

Von Andy Warhol bis zum ersten Paparazzo
Anhand von Fotografien, Filmen, Kunstwerken und Postern vergleicht die Retrospektive die Situation in Italien und den USA. Sie zeigt auch, wie es zu der ,Fremdbestäubung" (O-Ton der Ausstellungsmacher) des Auto-Designs durch die Kunst kam. Der erste Teil der Ausstellung lässt dazu die visuellen, musikalischen und kinematografischen Eindrücke jener Zeit wieder auferstehen. Erinnert wird an die Pop Art von Andy Warhol und Roy Lichtenstein sowie an italienische Künstler wie Mimmo Rotella oder Mario Schifano. Die Fotografie ist mit dem US-Amerikaner Bert Stein vertreten sowie mit Tazio Secchiaroli, einem der ersten Paparazzi – der Italiener soll sogar das Vorbild für den ,Paparazzo" aus Fellinis Film ,La Dolce Vita" gewesen sein.

Exzessive Grills und riesige Heckflossen
Die Ausstellung beginnt mit dem Lincoln Continental von 1961, der eng mit der Geschichte der US-Präsidenten und Geschäftsleute verzahnt ist. Dann widmet sich die Schau den drei Hauptthemen ,On the Road vs. La Strada", ,Cinecittà und Hollywood" sowie ,Dive & Latin Lover". Der folgende Ausstellungsbereich ist zeitgenössischen Autos von Buick und Plymouth, Fiat und Alfa Romeo gewidmet. Hier wird demonstriert, wie die US-Designer mit exzessiven Grills und enormen Heckflossen die voluminösen Formen betonten. Die Italiener blieben eher dezent und schufen klare, einfache Linien. Die Ausstellung zeigt, woher diese Unterschiede kommen.

Balance zwischen Design und Technik
Amerikanische Designer wie Harley Earl von General Motors und Virgil Exner von Chrysler bemühten sich aber auch um eine Balance zwischen Design und Technologie. Etliche italienische Designer gingen deshalb in die USA, um ihr technisches Wissen zu erweitern, wie Giovanni Savonuzzi (der Schöpfer des avantgardistischen Ghia Gilda), Giovanni Michelotti (der Vater des BMW 3200 Michelotti Vignale), aber auch Mario Revelli di Beaumont, der den Simca 1000 zeichnete, sowie Battista ,Pinin" Farina, der Gründer der heutigen Firma Pininfarina. Wer sich für die Geschichte des italienischen Autodesigns und von US-Fahrzeugen interessiert, kann das Museo Nazionale dell`Automobile täglich von Montag bis Sonntag besuchen. Die Öffnungszeiten sind an jedem Wochentag anders, der Eintritt bleibt dagegen erfreulich konstant und kostet 12 Euro.

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Bildergalerie: Die ,Fremdbestäubung"