Das neue Videospiel für Autofans im Xbox-One-Test

Für nicht wenige Motorsportfans zeigen Rallye-Veranstaltungen die wahre Kunst des Autofahrens. Was liegt da näher, als die Faszination des Brausens durch Feld und Flur als Videospiel herauszubringen. Titel wie ,Colin McRae Rally" oder die WRC-Serie sind ebenso Klassiker wie ,Richard Burns Rally". Und schließlich die ,Dirt"-Reihe, die mehrheitlich den Fokus auf den Rallycross-Sport lenkte, im letzten Teil namens ,Dirt Rally" aber Realismus und klassische Elemente in den Mittelpunkt stellte. Leider zum Verdruss so manches Gelegenheits-Gamers, der mit einer komplexen Steuerung vergebens um gute Plätze kämpfte. Genau diese Scharte soll nun das brandneue ,Dirt 4" auswetzen.

Wie es euch gefällt
Fans von ,Dirt 2" und ,Dirt 3" werden versöhnt, denn die Entwickler von Codemasters stellen bei Nummer Vier wieder die Rallycross-WM in den Mittelpunkt. Aber auch konventionelle Rallyes sind ebenso im Programm wie alte Fahrzeuge, Offroad-Trucks und Buggys. Entscheidend ist die Möglichkeit, zwischen totalem Realismus und Arcade-Gaming zu wählen. Soll heißen: Sowohl der Profi mit Lenkrad, Pedalen und weiterem Zubehör wird glücklich, als auch der Kurzzeit-Zocker mit Videospiel-Gamepad.

Die goldene Mitte
Ich zähle zur letztgenannten Sorte und wähle ,Gamer". Danach muss ich mich gleich in einem Rennen messen, in dem der passende Schwierigkeitsgrad ermittelt wird. Allerdings kann ich bei Bedarf alle Fahrhilfen individuell einstellen. Ich liege im 70-prozentigen Bereich, was Siege für mich leichter macht, aber die Rennen auch nicht zur Farce verkommen lässt. Hier haben die Entwickler das Kunststück geschafft, die goldene Mitte zwischen Unter- und Überforderung zu treffen. Wohl auch eine Lehre aus dem zu komplexen ,Dirt Rally".

Gute Grundlagenarbeit
Und noch etwas ist gut gelöst: Anfänger können die ,Dirt Academy" besuchen und sich dort ohne Druck die Grundlagen aneignen. Das macht trotz Lerneffekt durchaus Spaß, weil man keine irrwitzigen Prüfungen absolvieren muss, um die Lektionen abzuschließen. Anschließend fängt man klein an: Das eigene Team aufbauen und gestalten, Sponsoren anwerben und erste Rennen mit Autos wie dem Opel Adam R3 absolvieren. Das klingt mickrig, aber die Lern- und Erfolgskurve im Karriere-Modus baut angenehm linear auf.

Saubere Bedienung ohne Lenkrad
Ein dicker Pluspunkt von ,Dirt 4": Die Steuerung mithilfe des normalen Gamepads (in meinem Fall das der Xbox One) ist ausgezeichnet gelungen. Man bremst und lenkt überraschend feinfühlig. Über 50 Fahrzeuge stehen im Laufe der Zeit zum Fahren und Kaufen bereit. Klassische Rallyes werden in nur fünf Regionen absolviert, dort ist aber die Routenvielfalt enorm. Wem das nicht reicht, der kann mit Buggies über Cross-Strecken jagen, Zeit- und Schrottrennen fahren, sich online messen oder in der Rallye-Schule fortbilden. Feineinstellungen in Sachen Tuning sind ebenfalls möglich. Die gute Austarierung zeigt sich im Schadensmodell: Beim Gamer-Modus ist der Wagen nicht unzerstörbar, aber auch nicht nach zwei Kontakten komplett Schrott.

Positiver Gesamteindruck
Apropos Schrott: Gibt es Kritikpunkte? Nun, die Grafik ist eine Nuance weniger realistisch als bei ,Dirt Rally", doch das bleibt Geschmackssache, denn dafür sind die Zuschauer aktiver am Geschehen beteiligt. Auch die Anzahl der Wertungsprüfungen mag manchem Spieler zu gering sein, andererseits ermöglicht genau das ein kurzes Spiel zwischendurch. Negativer wiegt da schon die Tatsache, dass im Karrieremodus viele Aspekte außerhalb der Autos mit den im Spiel gewonnen Punkten bezahlt werden müssen. Eine Garage für mehr als vier gekaufte Fahrzeuge sollte beispielsweise schon umsonst sein. Doch das sind nur kleine Trübungen des sehr guten Gesamteindrucks von ,Dirt 4". Ob 30-Minuten-Kurzzocker oder stundenlang feilender Digital-Röhrl, hier hat jeder sein Vergnügen und seine Motivation. Erhältlich ist ,Dirt 4" für die Playstation 4, die Xbox One und den PC. Kostenpunkt je nach Version: zwischen 50 und 60 Euro.

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